h1

u ist der Hammer! (ubuntu)

26. Februar 2010

Nach etwa 2 Monaten mit ubuntu 9.10 karmic koala lässt sich ein erstes Fazit ziehen. Eins vorweg: ein Umstieg zu „einem vergleichbaren Betriebssystem“ kommt nicht mehr in Frage!  Da Linux schon  länger mein vollstes Vertrauen genießt und bereits auf Testhardware beweisen durfte, dass ein Großteil meiner Anwendungen unter Linux bereits mitgeliefert wird oder sich emulieren lassen, darf koala nun auf etwas besserer Hardware laufen:

  • CPU Core i5-750 Sockel 1156
  • 8 GB RAM
  • SSD SuperTalent 30 GB mit bis zu 230 MB/s lesend
  • HDD 1 TB für Nicht-System-Sachen
  • Mainboard Gigabyte GA-P55M-UD2

Installation

Bereits die Installation brachte mein Herz zum Lachen 🙂 Ausgewählt wurde gleich die 64-Bit-Version, um die 8 GB RAM ansprechen zu können – ein bigmem-Kernel bringt mir dann doch zu viel Stress beim Updaten. Installiert wird hier nach Schema F: bereits der mitgelieferte Kernel 2.6.31 erkennt ganz offensichtlich Mainboard, Chipsatz, die SSD und den SATA-DVD-Brenner ohne weiteres. Keine Treiber, keine Patches, keine Kunstgriffe, einfach installieren.

Natürlich ist noch nie eine Installation so fix durchgelaufen wie hier.

Natürlich ist das System meeeeeeeeeeeeeegaschnell. Wo andere OSe jedoch bereits nach kurzer Zeit zumüllen, zeigt sich Linux unbeeindruckt von der Menge der installierten Software, Daemonen (Dienste), temporären Dateien, Fragmentierung usw. Und die Erfahrung zeigt, dass das auch über Jahre so bleiben wird.

Habe ich schon die häufigen Neustarts während der Installationsühase erwähnt? Also die, die ich von anderen OS kenne. Linux will und will einfach nicht neustarten. Wenn man aus einer anderen Welt kommt, mag das befremdlich wirken, da kann doch gar nicht funktionieren? Nun, tut es.

Geschwindigkeit

Der Betrieb mit einer SSD ist natürlich fantastisch. Nahezu jedes Programm benötigt unter einer Sekunde zum Starten. Länger brauchen bisher nur Netbeans und Gimp. Was dazu führt, dass ich nicht wie früher alle Programme bereits auf habe und in der Taskleiste ablege sondern zwischendurch tatsächlich zumache. In der Umgewöhnungsphase hatte ich natürlich alle Programme offen, was aber bei der Systemgeschwindigkeit keinerlei Unterschied ausmacht.

Nun muss ich feststellen, dass sich Linux extrem ressourcenschonend  verhält, so dass die 8 GB RAM sicherlich etwas hoch gegriffen waren. Selbst bei laufender Windows-VM gibt es keinerlei Engpässe.

Dies ist zusammenfassend gesprochen mit Abstand das schnellste System, das ich jemals erlebt habe. Wenn ich jetzt vor einem nagelneuen Kunden-PC mit einem gewissen anderen OS sitze, fällt mir erst auf, wie viel meiner Arbeitszeit für simples Warten drauf geht. Da wird jeder Klick bestraft!

Sicherheit

Über das Thema Sicherheit wurde schon viel sinnvolles und sinnloses in Foren gepostet, und ich will keinen neuen Flamewar starten. Fakt ist jedoch, dass es keine brauchbaren Exploits für den aktuellen Linuxkernel gibt, die sinnvoll zu benutzen wären, um ein System zu kompromittieren. An irgendeiner Hürde im System scheitert jeder Angriff und läuft somit ins Leere. Daher fühle ich mich absolut sicher auch ohne Virenschutz. Ungewohnt, aber man vermisst es auf gar keinen Fall… 🙂 Der kleine Geschwindigkeitsvorteil, der sich daraus ergibt, wird natürlich gerne mitgenommen.

Zuverlässigkeit

Frickelware ist Absturzware. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, ein Naturgesetz. Das muss so sein. Was nix kost, is nix.

Tatsache ist, dass mir hier noch nie was abgestürzt ist außer dem OS, das ich hier in einer VM betreibe. Nun sind 2 Monate keine ausgesprochen lange Testphase für solch eine Aussage, aber fest steht doch, dass ich ein ziemlicher Poweruser bin, der sein System etwa 12 Stunden täglich quält und mich noch nicht sonderlich auskenne in dieser neuen Welt hier und natürlich vieles aus Unwissenheit kaputtmachen kann. Ist bislang noch nicht passiert.

Usability: nur was für Akademiker!

Man liest es immer wieder: wer keinen IQ größer 130 hat, 5 Programmiersprachen fließend spricht, darüber reglmäßig Vorträge vor großem Publikum hält und regelmäßig Zeit und Geld in Forschung investiert, hat in Linux nichts zu suchen. Dass dem nicht so ist, habe ich schon viel früher erfahren, als ich bei mehreren Bekannten zum x-ten Mal ihr Betriebssystem von Viren befreien oder retten musste, weil irgendein cooles Tool ganz cool das System gerschreddert hat und dann irgendwann ganz entnervt gesagt habe „Installier Dir doch ubuntu, ich hab keinen Bock mehr!“. Von Problemen habe ich selbst nicht gehört, als ich nachgefragt habe… „Nö, wieso? Läuft doch alles! Ich hätte mich schon gemeldet, glaub ma!“

Oder der Schwiegervater in spe, der ebenfalls nicht sehr PC-affin ist. Keinerlei Probleme das System zu benutzen für WWW, E-Mail, Chat, leichte Bildbearbeitung nach dem Herunterladen von Digicam etc pp…

Und so fand auch ich mich sofort im System zurecht. Dass ich ein abgeschlossenes Informatikstudium vorzuweisen habe, hat mich dabei bei der täglichen Benutzung nicht sonderlich unterstützt. Das wurde erst später interessant beim Scripten von Backup-Scripten & Co.

Softwareauswahl

Meine größte Befürchtung galt dem Umstieg, und dass man vielleicht wieder zurück muss, wie wichtige Dinge, mit denen ich meinen Lebensunterhalt verdiene, nicht funktionieren.

Nun, diese Befürchtung kann ich vermutlich für jeden zerstreuen. Von etwa 80 Anwendungen – ich habe den Umstieg mit Hilfe einer Liste vollzogen – blieben 3, die ich in einer Windows-VM betreibe: Outlook (aber nur, weil Evolution nicht mit Exchange 2007 kann), der Wiso Kaufmann 2010 und HamRadio Deluxe. Von Outlook erware ich, dass ich demnächst einen Umstieg vollziehen werde. Meine Terminverwaltung inklusive Abgleich mit dem Notebook und Hero ist mir heilig!

Ja, und das war’s schon. Was habe ich geschwitzt und den Umstieg hinausgezögert, weil ich mir nicht sicher war. Nein, die Tools der täglichen Arbeit zur Softwareentwicklung sind sogar besser unterstützt. Netzwerktools sowieso. VPNs baue ich regelmäßig mit PPTP oder OpenVPN auf. Während ich früher das VPN aufbauen musste und das Routing und den Dauerping auf einen Host im Remote-Netzwerk durch ein Script realisiert habe, genügt dafür heute ein einziges Script.

Die Console scheint für Pros eine gewisse Anziehungskraft und für andere das absolut Abstoßende darzustellen. Die Paketverwaltung mit  aptitude ist hervorragend, aber man kann auch ganz gemütlich unter Anwendungen > Software-Center nach Begriffen suchen und die Software mit wenigen Klicks installieren. Menschen, die erst jetzt mit solchen Dingen in Berührung kommen, mögen sagen „Hey, das ist ja wie im AppStore!“. Stimmt auch. Nur dass der Mechanismus sich Software aus Repositories zu installieren schon seit etwa 750 Jahren fester Bestandteil von Linux ist. 🙂

All In One Place

Was ist das Schlimmste an anderen OS? Die Datensicherung. Kein Mensch macht gerne Backups, weil man dafür enorme Klimmzüge veranstalten muss. Wieso? Weil sich Programm- und Usereinstellungen über Konfigurationsdateien, Registry-Zweige, Nutzerprofile und was weiß ich nicht erstrecken. „Du musst Deine Daten sichern!“ – „Ja, aber wo sind die?“. Hier in meinem neuen Zuhause ist alles zentral in klar festgelegten Ordnerstrukturen zu finden. Sichere /etc, /var, /root und /home, und Du hast Deine Schuldigkeit eigentlich getan. Ich habe jetzt 5 externe HDDs, auf die rotierend täglich inkrementell gesichert wird. Anstecken, und nach wenigen Minuten sind wir durch damit – rsync sei Dank!

Das Ganze ist so easy, dass ich meine VM und den Server gleich mit sichere.

Für Klickibunti-Benutzer gibt es aber auch so etwas wie Timemachine, beispielsweise FlyBack . Die Möglichkeiten sind da inzwischen schier unbegrenzt. Und bei den meisten Dingen muss man nicht einmal die Konsole bemühen, wenn man sich nicht traut.

Kompatibilität

„Linux ist ganz nett zum Ausprobieren, aber wenn man seine Hard- und Software weiter benutzen will, sollte man tunlichst die Finger davon lassen!“. Dass die ubuntu-Software nahezu komplett meine bisher genutzte Software ablösen konnte, das habe ich schon weiter oben geschrieben. Den Beweis mit der Hardware musste es erst antreten. Und hier wird es speziell:

Ich habe eine ATi HD4350 verbaut, weil diese passiv gekühlt ist und trotzdem genügend 3D bietet, um den Desktop mit Effekten zu verzaubern oder mal eine Runde Enemy Territory zu zoggn. Dran hängt ein 24″-Schirm mit FullHD-Auflösung sowie ein 22-Zöller mit 1680x1050er Auflösung. Beide liefen sofort, allerdings mit derselben Auflösung, was entweder auf dem einen oder dem anderen ziemlich „plöt“ aussah. Bei gleicher Auflösung hätte es also kein Problem gegeben. Auch 3D war bereits aktiviert. Nun – ich kaufe jetzt nicht einen 180-€-Monitor, um dieses Problem zu umschiffen! Letzten Endes wurde einfach der radeonhd-Treiber benutzt und die xorg.conf mit folgenden Parametern bestückt:

Section „Screen“
Identifier „Default Screen“
DefaultDepth 24
SubSection „Display“
Virtual 3600 1080
EndSubSection
EndSection

Section „Module“
Load „glx“
EndSection

Section „Device“
Identifier „Default Device“
Option „NoLogo“ „True“
Driver „radeonhd“
Option „DRI“ „on“
Option „AccelMethod“ „EXA“
EndSection

Ganz alleine bin ich da auch nicht drauf gekommen, aber Kollege Michael hatte wie immer den passenden Tipp parat! Letzten endes aber doch easy going.

Als Weiteres habe ich einen MFC von Lexmark namens X264dn. Dieser wurde sofort erkannt und konnte drucken. Auch der HP LJ1020 lief ohne Probleme. Das Scannen beim Lexmark funktioniert etwas furchtbar, weshalb ich auch schon eine Auseinandersetzung mit dem Lexmark-Support hatte. In deren Flyer wird von „Scannen im Netzwerk“ gesprochen, was für meine Begriffe Scan-To-Folder auf ein Samba-Share bedeutet. Nicht so hier: es muss ein spezielles Serverprogramm auf dem PC gestartet werden, das ein Profil im Scanner vorbereitet. Nun geht man zum Scanner, scannt seine Vorlagen, und wenn diese erfolgreich geklappt hat, wrd das Ergebnis an den „Server“ geschickt. Ziemlich umständlich. Funktioniert aber über das Web-Interface des MFC einwandfrei auch mit Linux.

Die CAT-Steuerung für meinen Kurzwellen-Transceiver über die serielle Schnittstelle funktioniert allerdings super: selbst aus der VM heraus (KVM bzw qemu) kann ich Werte wie die aktuelle QRG auslesen aber auch den TRX steuern – das war an sich meine größte Befürchtung!

To be continued…

Advertisements

One comment

  1. Sehr langer aber guter Artikel!
    Hut ab, dass du den Umstieg so durch gezogen hast!!!!!!!!
    Über die Jahre sammeln sich nun mal viele Lieblings-Tools an und viele Tätigkeiten schleifen sich ein. Gerade bei Power-Usern wie uns! Mit dem Umstieg auf ein anderes Betriebssystem wird hier erstmal fast alles über den Haufen geworfen. Und das ist um so heftiger, wenn die Selbständigkeit und tägliche Arbeit davon abhängt.
    Diesen Schritt zu wagen … Respekt!
    Aber, du profitierst davon auf alle Fälle! Die Arbeit mit Ubuntu macht einfach Spaß! Und es wird vieles einfacher, flexibler, übersichtlicher, schöner, schneller, … 😉



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: