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LEOs angeln: so geht SO-50 !

6. Juli 2016

Long time no see! Leider habe ich eine kleine Motivationsflaute, was das schönste Hobby der Welt betrifft und auch gut zu tun bzw. setze meine Prioritäten etwas anders, so dass lange nichts von mir zu lesen war.

Dabei läuft im Hintergrund doch immer einiges ab.

Eine große Frage, die mich da beispielsweise bewegt, ist, wieso wir es trotz des vorhandenen Materials immer noch nicht geschafft haben, die 4×38 ele-Kreuzyagi für EME (Erde-Mond-Erde) fertigzustellen. Das eigentliche Problem ist bisher die Einspeisung in den Dipol: bislang verwende ich da Alurohre, die angebohrt und mit einer Schraube und Kabelschuh mit dem Koaxialkabel verbunden werden. Das Ganze wird über eine Umwegleitung mit 75 Ohm angepasst. Die Verbindung ist schlecht, die Anpassung trägt dick auf. Löten kann man es nicht vernünftig, denn bei den benötigten Temperaturen verdampft das Koaxkabel zu Nichts. Nicht das, was ich mir bislang vorgestellt habe.

Also habe ich versucht einfach mal den 4-mm-Alu-Schweißdraht dafür zu verwenden, den ich auch für die Elemente nutze. Darauf habe ich mir ein Gewinde geschnitten, auf das sich eine Messinghülse schrauben ließ. Diese konnte ich nun problemlos mit dem Aludraht verlöten – spezielles Alu-Lötzinn und hohe Temperaturen aus der Lötlampe vorausgesetzt. An das Messing kann man mit „normalen“ Temperaturen das Koaxkabel löten. Problem gelöst.

Nachdem ich aber in den weiteren Versuchen etliche Meterenden des Schweißdrahtes zerbrochen habe, weil der Gewindeschneider wahrscheinlich nur beim ersten Versuch scharf genug war, habe ich auch das verworfen – noch 7 Gewinde hätte ich nervlich nicht durchgestanden! Auch war mir völlig unklar, welche Rolle es spielt, welches Material man nimmt. In welchem Durchmesser. Ob Rundmaterial oder eckig. Ob voll oder als Röhrchen. Ob man Materialien mischen darf. Wie weit die Elemente unterhalb der Einspeiseebene liegen dürfen, wie sehr schielt die Antenne dann? Fragen, die viele unbekannte Faktoren in das Design brachten. Heute weiß ich, dass mein erster Wurf der Arrow-Antenne etwas funktioniert aber weit vom Ideal entfernt ist.

 

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Wie man erkennen kann, habe ich diese aus einer alten Fernsehantenne (Boomrohr, Elementhalter) und Aluröhrchen (vermutlich nicht eloxiert, aber das ist ein anderes Thema…) gebaut. Viele einzelne Teile, viele mögliche Fehlerquellen, schlecht transportierbar.

Das Thema Einspeisung wollte auch bei Peter, DL4ABB, nicht so richtig gedeihen, und so haben wir die EME-Antenne erst einmal ruhen lassen.

Bis es mir vor ein paar Tagen wieder einfiel. Ich suchte eine einfache Einspeisung ohne viel Schnickschnack und stieß auf WA5VJB’s „Cheap LEO (Low Earth Orbit) antenna“-Beschreibung: www.wa5vjb.com/references/Cheap Antennas-LEOs.pdf . Da liegen die Elemente sogar in einer Ebene – die ist also in Zukunft transportabel!

Schauen wir mal, was es für Vorteile bietet, diese Antenne zu bauen:

  • Elemente in einer Ebene, dadurch sehr viel weniger sperrig bei Transport und Handhabung
  • komplett zerlegbar in Boomrohr, Elemente, Einspeisung mit Kabel und Element
  • keine Anpassung notwendig, das Koaxkabel wird direkt an das Driven Element gelötet; es entfallen Umwegleitung und Abzweigdose und somit Gewicht
  • Driven Element aus Messing, daher keinerlei Probleme beim Löten, guter Kontakt, keine Korrosion
  • Kosten liegen bei maximal 15 €

Ich habe das Ding zunächst auf einem zölligen PVC-Rohr aus dem Baumarkt (1,50 € pro 2 m oder so, lag noch rum), dem Alu-Schweißdraht für die 70-cm-Elemente und Messing für alle 2-m-Elemente aufgebaut. Damit sich die Elemente nicht auf derselben Höhe befinden, habe ich es in Inkscape so zurecht geschoben, dass der 70-cm-Teil 28 cm nach vorne gerutscht ist. Es entstand ein etwa 1,40 m langes Gebilde, mit dem ich endlich Stimmen von SO-50 hören konnte. Am 1. Juli 2016 war es dann so weit: EA1IW und kurz darauf EA1JM kamen ins Log. Wahnsinn! Dieses typische gut durchblutete, breit grinsende Gesicht danach, wie nach dem ersten Kurzwellen-QSO vor 23 Jahren! 🙂 Ich hatte gerade mit zwei Handfunkgeräten, einer selbst gebauten Winzantenne und 5 wtts Ausgangsleistung eine Distanz von 1800 km in HiFi-Qualität überbrückt. Auf einer Frequenz, bei der sonst nach etwa 100 km naturgemäß Schluss ist, bei guten Voraussetzungen nach 300 km.

Die Euphorie konnte ich auf DL4ABB übertragen, der sich auch kurzerhand eine LEO-Anlage zusammenstellte, und so trafen wir uns am 4.7.2016 am ehemaligen Geitelder Sender, um einen ganz brauchbaren Überflug mit > 70° mitzunehmen und uns hinterher mit literweise Champagner bis in die Morgenstunden zu feiern..

Nichts! Einige Sprachfetzen haben wir wohl vernommen, aber von einem QSO war das weit entfernt. Wieso?

Da ich auf 70 cm nichts messen kann (der 2-m-Teil hatte etwa SWR=1,06:1 und |Z|=52 R), wollte ich das Element erneut bauen, um dort einen Fehler auszuschließen. Da die umliegenden Relais mit dem 70-cm-Driven-Element (das eingespeiste Element: es gibt Reflektor, davor das DE, dann kommen die Direktoren D1, D2, D3, …) aber gut arbeiten ließen, hatte ich den VHF-Teil in Verdacht, den UHF-Teil zu beeinflussen. Dass ich das runde Rohr nicht so sehr schön gebohrt hatte – die Elemente lagen nicht in einer Ebene – wollte ich es mal mit einem Vierkant-Boom versuchen, der aus einem Holzprofil 13,5 x 13,5 mm aus dem Baumarkt bestand. Viel besser! Nun konnte die Ständerbohrmaschine ihre Vorzüge ausspielen!

Den UHF-Teil habe ich mit 3″ Abstand vor den VHF-Teil gesetzt. Nun waren die Stimmen bei guten Überflügen mit S5-S7 zu hören und sprachen auch plötzlich mit mir! In kurzer Folge kamen 2E0SQL, DG0ER, DL4ZAB zusäzlich ins Log, die QSOs auf dem Vogel konnte ich durchweg gut mitlesen, und mein Signal ist gut lesbar dort oben. Die Antenne ist 1,08 m incl. dem Handgriff lang und schön leicht, so dass man die maximal 14 Minuten gut durchhält.

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Gebaut habe ich die 2+6-Konfiguration. Ich befürchte, dass das DE immer noch nicht optimal ist – andere OMs arbeiten LEOs mit einer 2+4-Konfiguration ohne viel Aufwand. Ich bin aber noch tief in der Lernphase und werde immer besser: mittlerweile höre ich auch Durchgänge von 40° problemlos über mehrere Minuten – toll! 🙂

Das Driven Element habe ich 3-teilig gebaut und aufs Biegen verzichtet: die beiden Strahlerteile werden mit einem 1″ langen Messingstückchen durch Löten verbunden.

Die Überflüge lasse ich mir per GPredict vorhersagen. Daraus mache ich Termine im Outlook mit der Angabe der maximalen Elevation im Titel sowie dem Azimuth bei AOS und LOS im Body. So kann man bewerten, ob der Durchgang mitgenommen werden soll oder nicht – wenn man gerade keine Zeit für sein Hobby hat und der Überflug nur 40° hat, kann man ja auch mal eine Runde aussetzen.. 😉

Während des Überfluges kann man per Satellite AR über das Boomrohr peilen, falls man den Satelliten verloren hat.

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Derzeit verwende ich ein altes DJ-580e für RX un ein KG-UVD1P für TX auf einer Plattform, die ich mit einem Senderpult aus dem Modellflugbereich kombiniert habe. Das Alinco wird heute (so DHL will) durch ein UV-5R ersetzt. Die Anordnung der beiden TRXe werde ich noch vertauschen: während man beim RX ständig die QRG nachstellen muss (Doppler-Effekt), rührt man vom TX (145,850 MHz, 67 Hz CTCSS) nur das Mikrofon an. Vielleicht verschwinde der TX auch einfach inter der Plattform. A propos Doppler: fangt zu Beginn des Durchgangs bei 436,810 MHz an und geht jeweils um 5 kHz oder kleiner herunter, wenn das Signal anfängt zu „kratzen“. Man landet dann irgendwo bei ~436,775 am Ende des Durchgangs.

Die Empfehlung zwei TRXe zu benutzen, möchte ich hier wiederholen: man hört, ob man „rüber“ kommt, ob man also die Antenne in der richtigen Richtung hält, und ob man gerade jemanden „überbügelt“. Das sollte man aufgrund der knappen Zeit bitte lassen! Die beiden TRXe können jeweils an eine Antenne angeschlossen werden, auch auf verlustbehaftete Diplexer (trennt UHF- von VHF-Signalen auf dem Weg zur / von der Antenne) kann man hier meiner Meinung nach gut verzichten.

Die Durchgänge zeichne ich mit einem Audiorecorder (Android-App!) auf, damit ich die Hände frei habe. Richtung und QRG zu koordinieren ist schwierig genug!

Geplante Optimierungen:

  • den 23 Jahre alten RX ersetzen
  • das 70-cm-DE auf die richtige Länge schneiden
  • eine CAT-Steuerung (Computer Aided Transceiver/Tuning) nutzen, die die richtige QRG einstellt
  • Rotornachführung wurde bisher verworfen, da sie nicht unkompliziert ist und gefühlt wenig Vorteile bringt
  • wenn es auch mit weniger Elementen auf UHF funktioniert, Elemente weglassen
  • Airborne-Kabel ist zu steif, Idee verworfen
  • TX-Gerät unter die Plattform
  • LiPo-Akku entfernen, Akkus der Geräte benutzen, der sollte ausreichend sein für die paar Minuten
  • Smartphone auf der Plattform befestigen, so dass man die Audioaufnahme sehr viel lauter hat. Für die Nerven der Nachbarn könnte an über einen Kopfhörer sowie Aufnahme per Klinkenstecker nachdenken. Die Himmelsrichtung kann das Smartphone so auch gleich anzeigen, die Neigung (Elevation) entfällt dann leider

Bitte nicht vergessen, QSOs auch unter http://aar29.free.fr/sat/so50/so50log.php zu hinterlegen!

Ich hoffe, wir hören uns bald!

Impressionen:

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